Ocunostics hat eine integrierte psychodiagnostische Anwendung entwickelt, mit denen Blickbewegungsdaten im Bereich kognitiver Störungen wie der Lese-Rechtschreibstörung (LRS) erhoben und analysiert werden können.

Diagnostischer Mehrwert des Einsatzes von Blickbewegungsdaten bei LRS

In klassischen normativen Diagnoseverfahren zur Ermittlung einer Lese-Rechtschreibstörung liefern die durchgeführten Tests lediglich Information darüber, wie lange es dauert, bis ein Kind oder ein Erwachsener einen Text vollständig gelesen hat. Auf Basis dieser einen Messung wird dann entschieden, ob der Leseprozess als von der Norm abweichend einzustufen ist. Dieses Maß ist also rein quantitativ/normativ und zusätzlich anfällig für häufig zu beobachtende Ausgleichsstrategien: LRS-betroffene eigenen sich typischerweise sehr früh individuelle Strategien des Umgangs mit ihrer Störung an, wie beispielsweise eine Ratestrategie.

Auf Basis der beobachteten Blickbewegungsmuster können die Lesestrategie, Fehlerschwerpunkte und okulomotorische Auffälligkeiten erfasst werden. Anhand dieser detaillierten, individuellen Informationen kann eine den Fähigkeiten und Förderschwerpunktes der Person angepasste therapeutische Intervention geplant werden.

Blickbewegung eines Legasthenikers im Vergleich zu einem unauffälligen Leser

Die folgenden zwei Visualisierungen von Fixationen (das Verweilen der Augen auf einem Ort) können den Mehrwert des Einsatzes von Blickbewegungsdaten verdeutlichen. Die Abbildungen stellen jeweils Anzahl, Ort und Dauer der Fixationen zweier Leser dar.

Unauffälliger Leser

Unauffälliger Leser

Erwachsener Leser mit ausgeprägter LRS

Erwachsener Leser mit ausgeprägter LRS

Während der unauffällige Leser im Bild links den Text mit wenigen Fixationen erfasst, zeigen die Fixationssprünge im rechten Bild den deutlich aufwendigeren Leseprozess eines Legasthenikers. Besonders bedeutsam ist dabei, dass die Lesegeschwindigkeit dieses Lesers insgesamt unauffällig war. Erst die Auswertung der Blickdaten zeigte, wie stark dieser Erwachsene von einer Lese-Rechtschreibstörung betroffen ist. Der Leser muss deutlich mehr Aufwand betreiben, um den Text zügig und sinnerfassend zu erlesen. Erkennbar ist vor allem der sogenannte Wortlängeneffekt (lange Wörter wie „besuche“ werden überproportional häufig fixiert) und die deutliche Beeinträchtigung des Erfassens konsonantenreicher Morpheme („rennen“).